Kap. 14 / Agentic Marketing

Szenarien für 2028

2028 ist näher, als es klingt. Die Szenarien sind realisierbar – nicht als Science-Fiction, sondern als Konsequenz der Architektur, der Frameworks und der Praktiken, die die ersten dreizehn Kapitel beschrieben haben.

14 Min Lesezeit · ← Alle Kapitel

Im Prolog dieses Buchs stehen drei Szenarien als knappe Bilder einer möglichen Zukunft. Jetzt, nach dreizehn Kapiteln, liegt das Fundament. Jetzt holen wir sie zurück – als detailliertes Bild davon, wie sie 2028 wirklich aussehen, wenn die Architektur vollständig implementiert und die Teams voll befähigt sind.

Szenario 1: Der Product Launch 2028

Ein mittelständisches DACH-Maschinenbauunternehmen bringt ein neues Produkt auf den Markt. Der klassische Prozess hätte Monate gebraucht. 2028 beginnt der Launch mit einer einzigen Eingabe ins System.

Drei Stunden nach Eingabe der Produktspezifikation liegt ein strukturierter Marktreport vor. Gleichzeitig entwickelt ein Positioning Agent drei differenzierte Messaging-Architekturen für verschiedene Stakeholder-Rollen. Die CMO prüft, wählt, passt einen Proof Point an – das ist der erste echte Human-Checkpoint.

Der Content Production Orchestrator delegiert an spezialisierte Agenten: Sales-Decks, Produktseiten in vier Sprachen, Thought-Leadership-Artikel, Compliance-Check durch den Brand-Agent. Parallel modelliert ein Campaign Planning Agent historische Launch-Performance und erstellt einen optimierten 90-Tage-Mediaplan.

Die menschliche Arbeit hat sich nicht verringert. Die strategischen Entscheidungen liegen weiterhin beim Team. Die Ausführungsarbeit ist von Wochen auf Stunden geschrumpft – und das verändert, wie häufig und wie mutig ein Unternehmen launchen kann.

Agent-to-Agent Commerce und die Machtverschiebung

Die bisher beschriebenen Agenten arbeiten im Dienst von Unternehmen. Aber was, wenn auch Kunden eigene Agenten haben?

Ein Konsument des Jahres 2028 könnte einen persönlichen KI-Assistenten haben, der Einkäufe tätigt, Verträge vergleicht und Verhandlungen führt. Wenn dieser Kundenagent auf einen Markenagenten trifft, entsteht Agent-to-Agent Commerce. Klassische Conversion-Optimierung – emotionale Headlines, Dringlichkeitscountdowns – wirkt auf KI-Agenten nicht. Er bewertet Angebote rational nach den Präferenzen seines Nutzers.

Was dann differenziert, ist nicht das Design. Was differenziert, ist die Substanz. Und was die konkrete Konsequenz für DACH-Unternehmen ist, deren Kunden heute schon anfangen, KI-gestützt einzukaufen – das ist die offene Frage, mit der dieses Kapitel endet.

→ Kapitel 14 zeigt, wie 2028 aussieht. Wie der erste Schritt heute aussieht – mit einem konkreten 90-Tage-Plan – zeigt Kapitel 15.

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